Samstag, 2. Mai 2020

Freundschaft töten?


Freunde. - Gestern kam mir ein Blatt in die Hände mit Worten, die ich im Anschluss an eine meiner Geburtstagsfeiern notierte: Freunde feiern die Freundschaft. Freunde sind ein grosses Geschenk. Freunde werden zu Quellen des Glücks für alle Zeiten des Lebens. Freunde finden Zeit für gute Gedanken, für herzliche Wünsche, für geduldiges Mitgehen, für liebevolles Verstehen, für Zeichen der Verbundenheit. Herzlichen Dank für alle Zeichen der Freund-schaft, für alle Freundschaft. - Und heute brachte die Post eine Todesanzeige. Mein Studienfreund ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Vor 66 Jahren lernten wir uns kennen. Wir teilten das Zimmer und die Studienzeit. Und wir blieben durch die Jahrzehnte auch trotz Landesgrenzen in Freundschaft verbunden. Freunde sind ein grosses Geschenk. Ich weiss: Freunde können sterben. Traurig, ja tragisch ist es, wenn eine Freundschaft stirbt und die einstigen Freunde getrennt weiterleben. Das Virus der in sich gezüchteten Selbstgenügsamkeit, der Schuldzuweisung und der Abwendung vermag eine einst gelebte Freundschaft zu töten. Freunde leben Vergebung und Entschuldigung, das wertvolle Gut: Leben.

Mittwoch, 29. April 2020

Freiheit hat Grenzen


Freiheit. - Seit mehr als einem Monat erleben wir als gesundheitlich Gefährdete die weltweite Krise im Haus-Arrest. Pandemie, die Epidemie, die nicht nur Asien und Pan-Europa erfasst; das Corona-Virus breitet sich auch in Nord- und Südamerika aus, in Afrika und Australien. Inzwischen sind an dieser Erkrankung weltweit mehr als 200'000 Mitmenschen gestorben. Finanziell werden Milliarden zur Begrenzung der Schäden eingesetzt. Nun erfolgten die von vielen ersehnten ersten Erleichterungen. Der Lock-Down der sozialen und wirtschaftlichen Bereiche wird sachte zurückgenommen. Vielleicht dürfen wir schon bald wieder das Haus verlassen, einkaufen, an einem Anlass oder an gottesdienstlichen Feiern teilnehmen.  

Eine neue Freiheit? Das ist zu hoffen. Aber nicht eine unverantwortliche. „Wer die Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave“, sagte der Universalgelehrte Aristoteles, 384-322 v. Chr. Ich meine nicht eine Rückkehr in die alten Spuren der Sklaverei der Gewohnheiten. Freiheit endet an den Grenzen der andern. Eine Chance ist es, neue Bereiche des Gemeinsamen zu erreichen. Aber: Jetzt  ist die Zeit der selbsternannten Richter. Sie sprechen das Urteil über verantwortungsvoll Handelnde. Sie verbreiten damit das krankmachende und tödlich wirkende Virus der Hybris, der Über-heblichkeit und des Egoismus zum Schaden der Nächsten und zur Katastrophe für das ganze ‚Haus der Erde’. Freiheit hat mehr mit Selbstkritik zu tun und mit der Freiheit der Andersdenkenden als mit Selbstbehauptung. Frei für...? Für das Wohl aller. Das heisst frei werden und frei bleiben.

Freitag, 10. April 2020


Ostern.  Karfreitag - mit dem Sterben von Jesus - und Ostern mit seiner Auferweckung und Auferstehung gehören zusammen. Das ist auch für das Jahr 2020 mit der grossen Pandemie wichtig. Tausende sind am Corona-Virus gestorben. Hunderttausende sind infiziert und werden es noch. Lock down, Quarantäne, Stillstand, Hausarrest, viel Leid - und Hoffnung auf eine Wende bestimmen die Gegenwart - und der immense Einsatz ungezählter für andere. Und wie wird die Zukunft sein?
Ich zitiere aus www.christliche-gebete.ch

Das Leben überlebt den Tod

Das Leben überlebt den Tod. Die Liebe bleibt;
und Knospen treibt die Hoffnung auch im Leid.

Der Glaube siegt trotz Schmerz und Not. Ein Ton erklingt,
die Tiefe singt und alles drängt empor.

Im Leben und im Tod ist Gott dir immer nah;
und er bleibt da - die Hoffnung alle Zeit.    Theophil Tobler

Donnerstag, 26. März 2020


Wissen ist alles, meinte mein Nachbar. „Wissen ist begrenzt“, notierte Albert Einstein. Wissen ist Macht - postuliert der Herrschsüchtige. Wissen - ist bald überholt, weiss der Forscher. Und was ist wichtiger als Wissen? „Fantasie ist wichtiger als Wissen“ ergänzte Einstein. Unter meinen Be-kannten gibt es einige, die sich trotzdem an der These orientieren: „Wissen ist alles.“ Andere wissen, dass keiner von uns alles weiss. Wichtiger und grösser als Wissen ist Liebe. Wir können die Liebe auch Glauben nennen. Und wir entdecken, dass Glaube und Liebe sich mit der Hoffnung zu einem starken Trio zusammenfügen. Allerdings bleibt für viele vage, was Hoffnung meint. Und der Glaube erscheint oft wie ein Puzzle, bei dem einzelne Teilchen fehlen. Das ist nicht tragisch, sagt der Glaubende, weil Glaube Vertrauen ist. Wir vertrauen doch einander, ohne alles zu wissen. Folglich kommt es darauf an, das Wesentliche zu wissen. Und dazu braucht es wie so oft im Leben - eine Entscheidung. Ich entscheide mich für... ...! Ja, wofür denn? Ich entscheide mich für Jesus Christus, weil ich ihm vertraue. Er hat sich ohnehin schon lange für mich entschieden, für Sie, für dich, für uns. Dieses Wissen heisst Glaubensgewissheit. Und Glaubensgewissheit macht dankbar.

Montag, 23. März 2020


Virus Corona heisst das neue Schlagwort, das rings um die Welt geht. Auch Covid-19 genannt, weil es offenbar bereits 2019 ausgebrochen ist. Ungeahnte Probleme folgen den vorausgegangenen Busch- und Regenwald-Bränden. Die Welt ist 2020 eine andere geworden. Wohl 100’000e werden vom neuen Virus befallen, ungezählte sind schon daran gestorben. Die Zahlen steigen. Die Spitäler kommen an ihre Grenzen. Notspitäler werden eingerichtet. Medizinstudenten und einstige Pflegepersonen sind zum Einsatz aufgeboten. Statt umarmen: zwei Meter Abstand halten. Über 65 Jahre alt: zu Hause bleiben. Betagte sterben, aber auch Junge sind betroffen. Geschäfte und Schulen sind geschlossen. Sportanlässe und Gottesdienste finden nicht mehr statt. Millionen haben Hausarrest, allein in Californien / USA sind es 60 Millionen. Heimtückisch: Die Krankheit bricht erst Tage nach der Infektion aus. Wer meint, gesund zu sein, ist unter Umständen bereits markiert. Viren zählen nicht zu den Lebewesen. Sie sind äusserst klein, haben weder ein Gehirn noch einen Verdauungsapparat. Sie sind auf Wirtszellen angewiesen um sich zu vermehren - und sie zu verheeren. Seit der grossen Grippe von 1918 sind rund 100 Jahre vergangen. Ebolo, Sars und weitere Namen sind in der Zwischenzeit bekannt geworden. Impfstoffe und Medikamente sind jeweils neu zu erfinden. Und was folgt in 20 oder 50 Jahren? Zusätzlich erschüttern Erdbeben, wie soeben in Zagreb, die Ordnung. Ordnung? Wir lernen neue Ordnungen kennen. Wir lernen neu leben und uns Gedanken zu machen aufs Sterben. Ich wünsche allen die Fähigkeit, sich mit dem Kommenden zu befassen und dafür bereit zu sein.

Samstag, 15. Februar 2020


Unfehlbar... Als ich viel jünger war als jetzt, hielt ich mich selbst für unfehlbar; aber ich danke Gott, dass ich mich jetzt besser kenne. Das stellte John Wesley für sich fest, der unermüdliche methodistische Pionier, 1703-91. Psychologische und moralische Methoden der Selbstbeobachtung und der Selbsteinschätzung waren „in“ - mit allen verknüpften Schwächen. Ein späterer Idealist sagte: „Jetzt habe ich schon mehrere Tage tadellos gelebt.“ Sein Kollege meinte: „Sagt das deine Frau auch von dir?“ Eine gute Frage! Ein Zeitgenosse schrieb: „Ich musste immer der Beste sein.“ Nun, Worte zeigen etwas vom Wesen: „... der Beste“ - „... tadellos“ - „... unfehlbar“, das zählt zu den höchsten Levels. Wer sich jedoch „besser“ kennen lernt, schätzt sich auch anders ein und verhält sich anders. Weit zurück reicht die Einsicht  der Dramatiker Sophokles und Euripides, gut 400 Jahre vor Christus; sie lässt sich in das Sprichwort zusammenfassen: „Errare humanum est“ - Irren ist menschlich. Cicero fügte hinzu: „... nur der Tor wird im Irrtum verharren“. Sich „besser“ kennen lernen ist ein lebenslanger Prozess. Wer es wagt, sein Leben ohne Scheuklappen anzusehen, entdeckt bisher verdeckte Seiten. Nicht immer angenehm, aber hilfreich - auch für die andern - und heilsam.

Montag, 10. Februar 2020


Grösse zeigt sich in der Versöhnlichkeit und nicht am Stand des Kontos; auch nicht nach einer  Millionen-Abgangsentschädigung. „Je grösser ein Mensch ist, um so versöhnlicher ist er“, sagte der römische Dichter Ovid, der zur Zeit von Jesus lebte, 43 v. Chr. - 18 n. Chr. Unversöhnlichkeit ist ein Mangel an Charakter. Wer unversöhnlich ist, ist nicht frei, ist verstrickt mit Vergangenem - auch wenn so getan wird, „als ob“ alles in Ordnung sei. Verzeihen ist der erste Schritt, sich versöhnen ist der zweite; er führt zur Heilung des Schadens. Oft geht das Eingeständnis eigenen Versagens voraus. „Der Tor sieht das Glück nicht, das vor seinen Füssen liegt“, schrieb der griechische Schriftsteller Plutarch, um 45 - 125 n. Chr. Klar-Sehende erkennen das Glück und ergreifen es. Die Versöhnten freuen sich miteinander am neu empfangenen Leben, an der vertieften Freundschaft und an der damit verbundenen Echtheit mitmenschlicher Gemeinschaft. Wahre Grösse zeigt sich als Folge der  Versöhnung von selbst.     
Zitate aus „Anmut und Würde“, Bernhard Funk Verlag, München

Mittwoch, 22. Januar 2020


Engel... „But you always have an angel with you“, sagte die Kollegin. „Aber du hast immer einen Engel mit dir.“ Nach ihrer Einschätzung war es unver-antwortlich, beim Autostopp gegen Mitternacht zu einem fremden, jungen schwarzen Paar aus San Salvador einzusteigen. Beraubung und Mord geschehen doch jeden Tag. Ich soll das doch nie mehr machen. „But..., aber du hast immer einen Engel...!“ Wird er immer gesehen? Oder wie kommt er? Eine Bekannte sagte mir letzten Sommer: „Ich habe ihn gesehen.“ Und meine Zeilen umschreiben:
Engel kommen und gehen gerne ungesehen. Boten aus Gottes Welten. Ob wir sie verstehen?
Boten aus Gottes Welten, die den Weg erhellten. Engel, göttliche Zeichen, bei uns, wo wir zelten.
Engel, göttliche Zeichen, die uns hier erreichen. Boten aus Gottes Welten. Angst und Zweifel weichen.

In der Schalterhalle in Bülach bot mir jemand Hilfe an. Und meine Antwort? „Du bist mir jetzt begegnet wie ein Engel.“ Und als mir in einer schwierigen Situation eine englisch sprechende Person half, reagierte ich mit den Worten: „You are an angel.“ Engel: Wörtlich bedeutet der hebräische Begriff ‚mal(e)ach’ ‚Bote’ und der Name des Propheten Maleachi ‚Mein Bote’, d.h. Gottes Botschafter mit einer Botschaft. Unser Wort ‚Engel’ geht auf die griechische Bezeichnung ‚angelos’ zurück und bedeutet ebenfalls: Bote, Botschafter, Gesandter - oft gesandt, um eine Hilfe zu bringen. Das fasste ich in die Zeilen:
Es können Frauen und Männer sein; sie kommen leise - allein und zu zwei’n.
Oft sind es Vertraute, oft fremd, ein Schein.                 
Sie meiden Drohung und täuschend Gewand. Und da ist einer, der gibt dir die Hand, und eine wohnt neben dir Wand an Wand. 
Dem Hungernden hat er Brot gebracht, dem Kranken hat sie sein Bett wohl gemacht. Sie hören dein Rufen bei Tag und Nacht.     
Er steht im Wege und er sagt: ‘Nein’, wie eine Mauer und hart wie ein Stein.
Es können dir Frauen und Männer sein, - Engel, Boten, Gesandte heute.
Ungezählt oft habe ich eine gute Nachricht bekommen und unerwartet Hilfe erfahren. Das ermutigt, Hilfe zu erwarten, denn: „Gott hat unbegrenzte Möglichkeiten.“

Mittwoch, 15. Januar 2020


Todesangst - wer? warum? „Todesfurcht hat mich ergriffen“, sagte er nachdem sein Freund erkrankte und kurz darauf starb. Mein Vater starb früh bei einem Verkehrsunfall. Meine Mutter an Krebs. Mein einziger Bruder drei Tage nach seiner Geburt. Meine einzige Schwester schon vor 18 Jahren. In der Verwandtschaftslinie bin ich der nächste, der sterben wird. Gilgamesch, der von Todesfurcht Erschütterte, fragte: „Werde nicht auch ich, wie er - mein Freund - mich niederlegen müssen und nicht wieder auf-stehen in alle Ewigkeit?“ Todesangst  wegen dem Schlusspunkt Tod. Wegen unerledigter Fakten. Ungewissheit, unbeantwortete Fragen bringen Ängste. Wie wird das Sterben sein? Und was folgt nachher? Was hat leben und sterben für einen Sinn? Der Nihilist sagt: Mit dem Tod ist alles aus. Der Skeptiker reibt sich an verschiedenen Antworten wund. Wieder andere sehen über dem Jetzt und dem Nachher einen grossen Bogen. Gilgamesch wollte das Leben finden, das nicht im Tod endet. Bei wem ist es zu finden? Die Antwort, die ich kenne, liegt in dem Satz „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht - nicht mehr - sterben.“ Was Jesus nach dem Tod eines Freundes sagte, weist über Tod und Grab hinaus in dieses neue Leben.Alles Wollen, alles Streben wird kein neues Dasein bringen. Du, der auferstanden bist, schenkst es, Jesus Christ.“

Sonntag, 12. Januar 2020


Suizidgedanken?  je nach Alter verschieden. Warum macht sich ein Kind Gedanken, seinem Leben ein Ende zu setzen? Warum ein Teenager? Ein Soldat nach der Rekrutenschule? Eine 30-jährige Lehrerin? Ein bekannter Geschäftsmann? Die Nahestehen sind erschüttert. Beim Abschied werden die Kirchen und Abdankungshallen überfüllt. Die Hinterbliebenen bleiben mit unbeantworteten Fragen zurück. Auch mit Schuldgefühlen, Selbst-anklagen und Tränen. Warum haben wir nichts gemerkt? Oder haben wir etwas geahnt, wollten aber nicht zu nahe treten? Nicht verletzen? Werden wir die Überlegungen, die zum Tod führten je erfahren? Sensible oder verschlossene Mitmenschen haben ihre wohl behüteten Geheimnisse. Andere überspielen die Realität. Es wurde geraten, Tel. 143 anzurufen oder jemanden aus dem Bekanntenkreis. Und? Viele tun es. Einige hinterlassen einen Abschiedsbrief, schreiben von Enttäuschungen, von fehlender Kraft, von empfundener Ausweglosigkeit, nur noch müde, von allem nichts mehr wissen wollen. Oder - endlich am Ziel ankommen, wo die Fragen Antwort finden. Viele sind froh überlebt zu haben. Gedanken sind noch nicht Taten. Da sein mit Gefährdeten, Anerkennung, Empathie, "wie geht es dir?" nachfragen nach dem Ergehen, das alles können Brücken sein, um das Leben lebenswert zu finden.

Mittwoch, 8. Januar 2020


„Himmel...!“Ich will den Himmel auf Erden. Heute schon.“ Sie will dass alles besser wird: „bewahren, pflegen, geniessen... zur Freude aller...“ Einen irdischen Himmel will sie. Und das schon heute. Und wer wird ihr diesen Wunsch heute erfüllen? Träumen kann schön sein. Wünsche äussern auch. Die Erfüllung in Sachen „Himmel“ übersteigt noch rasch einmal die besten menschlichen Möglichkeiten. Raketen sind wieder an der Tagesordnung. Meinungsverschiedenheiten führen rasch zu Streit, zu Krieg und zum Tod des andern - oder zum eigenen. „Let’s destroy the lives of people who disagree with us! - Wir wollen das Leben der Leute zerstören, die nicht mit uns übereinstimmen“, sagt WAITBUTWHY. Das geschieht auch mit Worten nicht nur mit Raketen. So lange wir auf dieser Erde leben, leben wir in dieser gefährdeten und gefährdenden Welt. Himmel? Ich erwachte heute mit den Worten: „Du bist da. Du bleibst da an jedem Tag. Du bist da bei Tag und Nacht. Mit dir ist ein Stück Himmel auf Erden." Aber noch nicht ungeteilt. Das Ganze steht noch aus. Die unerfüllte Sehnsucht wird eines Tages erfüllt sein. Wo Barmherzigkeit ist, erleben wir bereits ein Stück Himmel.

Montag, 6. Januar 2020


Glauben? „Glaubst du das?“ fragte er. „Was meinst du?“ war die Gegenfrage: „etwas glauben oder jemandem glauben?“ Das ist nicht das Gleiche. Heute sagte ich beim Morgenrot dass es wohl regnen werde. Und es regnete den ganzen Tag nicht. Etwas glauben bezieht sich auf eine Sache oder auf eine Aussage. Jemandem glauben bezieht sich auf eine Person, auf ein Gegen-über. Etwas glauben kann dazu führen, dass das Geglaubte schon bald überholt ist und  neue Fakten folgen, z.B. in der Forschung. Jemandem glauben heisst, diesem Gegenüber vertrauen. Ich vertraue dir. Ich vertraue mich dir an. Das Ja beim Eheversprechen ist mit diesem Vertrauen verbunden. Nicht umsonst wird dieses Ereignis „Trauung“ genannt. Glaube hat eine Beziehung zur Treue - griechisch bedeutet ‚pistis’ sowohl Glaube wie auch Treue. Ähnlich ist es beim Glauben an Gott: „Ich glaube“, d.h. „ich vertraue mich dir an.“ Die Nachfolge von Jesus ist von diesem Vertrauen geprägt und von der Treue. Aber wie ist es mit dem Unglauben? Es ist ähnlich wie mit Licht und Schatten - sie sind oft nahe beisammen. Der Freidenker glaubt an etwas. Die Christen vertrauen jemandem - Jesus Christus - und sagen: Ich glaube.

Sonntag, 5. Januar 2020


Schnee und Eis - typische Winterfreuden. „Wir verbringen erholsame Tage in herrlicher Bergwelt“, lese ich auf der Karte mit dem Ortstock (2716 m).  Ja, dort oben erlebte ich auch eine prächtige Rundsicht! Aber beim Aufstieg auf das Sustenhorn (3512 m) brach die Schneebrücke unter mir und ich hing in der Gletscherspalte - am Seil. Wie gut ist es doch, standhafte Freunde zu haben. Nicht nur im Winter auch im Sommer lockt der „ewige“ Schnee - der in unserer Zeit am Schmelzen ist. Risiken warten überall. Beim Schlittschuhfahren „landete“ ich im Wasser des Eisweihers. Das war noch harmlos. Unterschätzt werden die Gefahren beim Skifahren. Mir hätte es fast ein Auge gekostet, als ich mit dem Skistock das Brillenglas zertrüm-merte. Die Narben reden heute noch davon. „Glück gehabt“, meinte der Arzt, der rings ums Auge nähte, was möglich war. Ein vierjähriges Mädchen ist von einem 21-jährigen Pistenraser getötet worden. Lawinen sind die grosse Überraschung beim Skifahren. Verschüttete - sogar auf der geöffneten Piste. Eine „harmlose“ Schlittenfahrt führte zu Rückenverletzungen. Sollen Schnee und Eis zum Guten mitwirken ist Verantwortung unerlässlich - schon bei der Schneeballschlacht. Gefahrlos ist das Lächeln des Schneemannes. Winterbilder sind überwältigend. Schneeflocken unter dem Mikroskop - Wunderwerke. Sehen und staunen zählt zum Positiven und zum „slow down“ - zum Tempo drosseln. Zeit finden zur Entspannung. Die nächsten Anspannungen folgen - wohl schon morgen.

Samstag, 4. Januar 2020


Grenzen  trennen und verbinden. Paradox? Unsinn oder tägliche Erfahrung? Heute? Grenzüberschreitungen sind vielfach negativ: fehlender Anstand, ungerechte Anschuldigungen und Behandlung, Mobbing, Fake - aus dem Englischen für Fälschung, Gefälschtes wird als Wahrheit angeboten. Viele Irreführungen und Anklagen erfolgen, ohne dass die Grenze zwischen Recht und Unrecht wahrgenommen wird. Medien wie TV und Presse und die sog. sozialen Informationskanäle liefern klassische Beispiele. „Das Kind ist die Treppe hinabgefallen.“ Nein: Es war häusliche Gewalt. „Ein tragischer Unfall.“ Nein: Es war Mord. - Zum Glück erleben wir auch positive Grenz-überschreitungen. In Berlin ist die Mauer gefallen, wenn auch nicht die letzte Grenz-Mauer auf der uns anvertrauten Erde. Grenzkontrollen sind nach wie vor unentbehrlich. Grenzwerte sollen mithelfen, grösseres Unheil zu vermindern. Pfeiler- und Hängebrücken überwinden trennende Hindernisse. Es ist trotz Grenzen möglich, sich die Hand zu reichen.
Und wo sind die Grenzen im Weltall? Hinter dem äussersten Exo-Planeten? oder hinter den schwarzen Löchern? Grenzenlos möchte die Güte sein. Heute: ein Test mit Güte an der Grenze zum Nächsten...

Mittwoch, 1. Januar 2020


Alles neu - schwärmte der Teenager am Neujahrstag! Fast alles neu sagte die Braut im Blick auf die eben eingerichtete Wohnung. Neues bringt Überraschungen. Da flüsterte das Pflegekind zur Pflegemutter: ‚Meine Mama ist jetzt ein Mann, so bist du jetzt meine Mama.’ Wirklich eine neue Situation. Und das algerische zehnjährige Mädchen registrierte nach einigen Wochen in der Schweiz im Blick auf die geplante Heimreise in die bitter armen Verhältnisse: ‚Demain je vais à la maison, c’est domage; chez nous c’est pas beau, j’aime rester ici. Morgen werde ich nach Hause zurückkehren, das ist schade; bei uns ist es nicht schön, ich möchte hier bleiben.’ Solche Voten lassen nicht unberührt. Ist jede Veränderung gut?  
Ist Neues immer besser? Die Erinnerungen an vergangene Zeiten können beglückend oder belastend sein. So ist es auch beim Ausblick in die bevorstehende Zeit, in das Ungewisse von morgen, in die Wende von heute. Und bei allen Veränderungen ändere ich mich und meine Einstellung mit.  Neues? Es kommt. Ich wünsche dir, kleiner Bub, und dir, Mädchen aus Algerien - und auch allen, die schon etwas älter sind - für das oft unerwartete oder unerwünschte Neue neues Vertrauen, Mut und Spannkraft. Liebe ist ein Schlüssel, der Türen zum Guten öffnet.