Kunst - faszinierend! Da stehe ich vor der Bücherwand mit den
Bild-Bänden berühmter Maler. Darunter Schallplatten und CD’s mit Werken grosser
Meister. Ich liebe die Weite dieser Welt und die Vielfalt der Begabungen, das
geniale Können. Entdeckt habe ich die Türen zu den Künsten in jungen Jahren in
London. Da waren die Museen und die Galerien mit ihrer uner-messlichen Vielfalt
- aber auch mit ihrer Stille, wie in der mehrmals besuchten Tate Gallery. Und
da lockten die Festsäle und Kirchen mit Konzerten und Oratorien. Noch höre ich:
I know that my Redeemer liveth - Ich
weiss, dass mein Erlöser lebt! Unvergesslich. Und: Halleluja! Weitere Türen öffneten sich in der Schweiz, in
Deutschland, in Warschau, Istanbul, Paris, Washington, Mexico-City, Lima... Ein
Geschenk prägenden Reichtums. Dabei ein „Amateur“, ein Liebhaber und Liebender zu
bleiben, auch mit Instrumenten, Pinsel und Buchstaben. Gestern stiess ich beim Saxophon
spielen neben dem Lied: Wer nur den
lieben Gott lässt walten auf Saint-Exupérys Bitte: Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Die Kunst, die grosse
Kunst - der kleinen Schritte...
Dienstag, 7. Juli 2020
Donnerstag, 2. Juli 2020
Invalid - nicht unwert
Invalid? Meine Gattin, Margrit, ist seit rund drei Jahren auf
einen Rollstuhl angewiesen. Die „Ausweiskarte für Reisende mit einer Behinderung“
trägt ihr hübsches Passfoto. Wer käme da auf den Gedanken, dass dieses
freundliche Gesicht zu einer schwer behinderten Person gehört. Zum Glück gibt
es die „IV“, die „Invaliden“-Versicherung. Doch, was heisst „invalid“? Das
Gegenteil von invalid ist „valid“, und valid hängt zusammen mit Valuta, mit
Valeur, mit Wert. Soll denn „invalid“ wertlos bedeuten? Invalid = unwert...?
Dieser naheliegende Schluss ist falsch. Eine Definition sagt: „Invalidität liegt
vor, wenn die körperliche und/oder geistige Leistungsfähigkeit... durch einen
Unfall dauerhaft beeinträchtigt wird...“, Wikipedia. Die IV reicht noch weiter,
sie erfasst neben Unfall auch krankheitsbedingte Behinderung. Hilfe für diese wertvollen
Mitmenschen. „Frau Z. hat keine Hände, keine Unterarme und keine Beine... Es
wurde ihr berichtet: ‚Der Pfarrer weigerte sich, mich (als Bebe) zu taufen’.
Aber der Grossvater meinte: ‚Man kann dieses Kind jedenfalls umhertragen und
lieb haben’“ (aus: Heilung und Gebet). Invalid oder valid - wertvoll? Auf jeden
Fall: zum liebhaben.
Dienstag, 30. Juni 2020
Distanz - für immer?
Distanz - zunächst 2 Meter, jetzt noch 1 ½ m als Vorschrift. Das
ist äusserlich gemessen. Seit der Ausbreitung der Corona-Epidemie üben wir
dieses Distanz-halten, um Ansteckungen zu vermeiden. Wir? Wirklich alle? Schon
steigen die Zahlen der Ansteckungen wieder. Erfolgten die Locker-ungen unter dem Druck der Forschen
zu früh? Folgt die zweite Welle? ... auch bei den Sterbenden? Und: Wie gross
ist die emotionale Distanz im letzten halben Jahr geworden? Zwischen mir
und...? Zwischen ihm und mir? Zwischen ihr und...? Rücksichtsvollen kann es
schwer fallen, - wie gestern - die schon ausgestreckte Hand doch nicht zu geben,
keine Umarmung zu schenken, nur winken oder „ellebögle“ und noch tiefer: Schuh
an Schuh. Jemandem den Schuh geben, galt sonst als unfreundlich. Und un-freundlich
hat offensichtlich damit zu tun, dass keine Freundschaft besteht. Distanz kommt
von ‚distare’, abstehen, und das ist das Gegenteil von zusammen-stehen und
zusammenhalten. Seit Wochen bin ich nicht mehr in der christlichen Gemeinde
gewesen, zu der ich gehöre. Es fanden ja wegen dem Versammlungsverbot keine
Gottesdienste statt. Nun überlege ich mir: Welchen Einfluss hat diese Zeit auf
den Abstand, auf die Distanz und - auf die Freund-lichkeit...?
Donnerstag, 25. Juni 2020
Verdoppelt - ist es Wert?
Verdoppelt - Positiv oder negativ? Verdoppelt hat sich seit
meiner Geburt die Wohnbevölkerung der Schweiz. Die „Statistik der Schweizer
Städte 2020“ nennt für 2018 für die Schweiz die Zahl von 8'544’527 Einwohnern. 1932 waren es
gut vier Millionen. Die Fläche der Schweiz hat sich in dieser Zeit nicht
verdoppelt. Was wollen die neuen vier Millionen Mitbewohn-enden in der Schweiz?
Gut leben? Studieren? Geschäfte machen? Bauen? Gesund bleiben oder gesund
werden? Nach dem Ausbruch der Corona-Epidemie
hat sich die Zahl der Erkrankten in unserm Land mehrmals verdoppelt. Sie ist bis
Ende März auf mehr als 15'000 gestiegen. Und in der Zeit vom 31. März bis zum
16. Juni 2020 hat sich die Zahl wieder verdoppelt - auf mehr als 31'000 Corona-Erkrankte.
Viele sind wieder genesen. Aber mehr als 1900 Erkrankte sind an diesem Virus gestorben.
Verdoppelt hat sich in kurzer Zeit die Trauer und die Hoffnung. Verdoppelt oder
mindestens erhöht wurden Schulden und Kredite. Was wird noch werden? Viele
verharrten in halb-freiwilligem Hausarrest, um nicht angesteckt zu werden oder
in Quarantäne, um nicht andere anzustecken. Verdoppelt hat sich aber auch vielerorts
die Nachbarschaftshilfe beim Nachfragen, beim Einkaufen und beim füreinander
Dasein. Frage: Was wollen und was werden wir in der „neuen“ Zeit verdoppeln?
Was ist es Wert...?
Montag, 25. Mai 2020
Gott - durch Jesus
Gott? - Zwei
Erlebnisse: Heute war eine Muslima bei uns zu Besuch, und wir lasen Arabisch,
der Sprache, die von Allah sagt. Und dann fuhr ich fort in meiner
derzeitigen Lektüre: „Wir kennen Gott
nur durch Jesus Christus.“ Das notierte Blaise Pascal in seinen hinterlassenen „Gedanken“. Ich zähle zu den genannten
„Wir“. Und Sie...?
Wie ich Gott kennenlernte? Ich hörte von Gott im Kreis der
Familie. Dabei erging es mir ähnlich wie Job/Hiob, der feststellte: „Vom
Hörensagen hatte ich von dir gehört.“ Aber er betete, und ich lernte es auch. Nach
und nach folgte das Lesen und Nachdenken über Gott und ich begegnete der Frage:
„Gibt es nicht mehr als einen Gott?“
Die Antwort dazu: „Nein, es gibt nur einen, den allein wahren und lebendigen
Gott.“ Dazu lehrte das Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Gott, den Vater...,
ich glaube an Jesus Christus..., ich glaube an den heiligen Geist...“ - ein
dreifacher Bezug zu dem einen Gott. Job/Hiob ergänzte einst: „Nun aber hat mein
Auge dich gesehen“ (42,5). Das geht über das Hörensagen hinaus. Ich habe Jesus
Christus durch das Neue Testament der Bibel persönlich kennen gelernt, u.a. mit
dem 1. Johannesbrief: „Gott ist Liebe.“ „Wer nicht liebt, hat Gott nicht
erkannt.“ „Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er
in Gott“ (aus 1. Joh. 4). Ja, „wir kennen Gott nur durch Jesus Christus.“
Sonntag, 10. Mai 2020
Demut real?
Demut wird gesucht. Was sagt
dieses fremde Wort? und was nicht? Eine Pfarrfrau legte sich im Emmental für
den Besuch der Frauengruppe jeweils eine „Schäube“ - eine Schürze - an, um demütig
und dienstbereit zu erscheinen. Aber zwischen scheinen und sein liegen
Welten. Demut kann nicht gemacht oder vorgeführt werden. Entweder hat jemand
diese Gnade oder sie fehlt - verletzend. Demut, das lateinische ‚humilitas’,
hat mit ‚humus’, dem Erdboden zu tun und das englische ‚humble’ mit
Bescheidenheit. Das war nichts für ‚Ger-manen’; ihr ‚ger’ war Waffe. Mut zum Dienen kommt aus einer anderen Welt. „Demut weiss nimmer, dass sie demütig ist;
denn wo sie es wüsste, so würde sie hochmütig...“, sagte Martin Luther. Demut kann
zwischen hoch und tief unterscheiden ohne in Überheblichkeit zu geraten.
Die beste Platzierung für das Ich ist: „Icke jag utan gud i
mig.“ Das sagte der dritte UN-Generalsekretär, der Schwede Dag Hammarskjöld:
„Nicht ich, sondern Gott in mir.“ Sein Buch „Zeichen am Weg“ schenkte mir eine
Gruppe Teenager. Da lese ich: „Demut heisst sich
nicht vergleichen.“ Wo führt es hin „wenn es am Ende doch immer nur um euch
und eure eigenen Interessen geht, dass ihr vielleicht sogar ein Star werden
wollt...“? (volxbibel). Mutig ist die
Sicht von Marie von Ebner-Eschenbach: „Demut ist Unverwundbarkeit.“ Einbildung,
Begehrlichkeit und Stolz sind verwundbar. Wer erschüttert betet: „Gott, sei mir
Sünder gnädig“, zählt zu den Demütigen. Die Demütigen sind zum Grössten berufen:
für die andern da zu sein. Dieses Programm führt zum beglückenden Finden.
Dienstag, 5. Mai 2020
Toxisch - giftig
Toxisch. Dieses Wort habe ich nun zum erstem Mal in einem Brief
verwendet. Es ist verbunden mit negativen Erlebnissen. Es wird mit „giftig“
übersetzt. Toxische Mitmenschen verbreiten ein tödliches Gift. Sie vergiften
andere, ihre Umwelt und sich selbst. Sie verraten sich durch „lügen, manipulieren und
kontrollieren“ schreibt Natalie Scheffler. Sie schädigen „permanent mit ihrem
Verhalten, um ihre Wünsche durchzusetzen und ihr eigenes Selbstwertgefühl zu
steigern. Sie verhalten sich unmoralisch und unsozial.“ Ihre Spezialität wird
mit „Uneinsichtigkeit, Eifersucht und Missgunst“ bezeichnet und auch mit
Erpressungen. „Den Standpunkt des andern versuchen zu verstehen oder ein
klärendes Gespräch zu führen, das komme ihnen meistens gar nicht in den Sinn.
Die Ursachen für toxisches Verhalten liegen zumeist in der Kindheit: Mangelnde Liebe...“
(leicht gekürzt). Wo die Liebe fehlt, fehlt auch die Einsicht und die Aussicht
auf eine Änderung zum Guten. Gift kann tödlich wirken. Auch das Gift der Worte
und des Verhaltens. Ein Beispiel (von WAITBUTWHY) zeigt, wie Einstellungen wirken
können: Vier Personen stehen beieinander.
Eine sagt zu den andern: ‚Ihr seid sicher in unserer Gruppe mit dabei!’ Die
zweite antwortet: ‚Ich - auf jeden Fall.’ Da meldet sich die dritte und kontert:
„Let’s destroy the lives of people who disagree with us!“ ‚Lasst uns das Leben
derer zerstören, die nicht mit uns übereinstimmen!’ Die vierte scheint dem
zuzustimmen. - Toxisch, vergiftend - durch Worte und
Verhalten - das Leben anderer zerstören und auch das eigene. Was ist da noch
mitmenschlich oder christlich?
Montag, 4. Mai 2020
Schön - du
Schön, dass... Dieser Satzanfang lässt sich vielfach
weiterführen. Meine Frau erhielt eines Tages ein weisses Handtuch mit dem
Aufdruck: „Schön, dass es dich gibt.“ Während etlicher Wochen hatten wir das
weisse Tuch mit dem rot gedruckten Satz im Duschraum hängen. Nicht viele sahen
es. Doch wer es sah freute sich. Letzten Samstag hängte ich das weisse Handtuch
mit dem auffallend rot gedruckten Satz und den fünf roten Mohnblumen an eine
Querstange im häufiger frequentierten Badzimmer. Die Frauen unserer
Haus-Krankenpflege „Spitex“, die abwechselnd zu meiner Gattin kommen, betreten
das Badzimmer jeden Tag. Spontan wurde der Satz registriert. „Habt ihr das für
mich hingehängt?“ fragte am Sonntagmorgen strahlend die junge Krankenpflegerin.
„Ja, und für alle“, war die Antwort. „Schön, dass es dich gibt.“ Schön, dass es
Sie gibt. - Viele wissen nicht, wie gut es tut, sie zu sehen. Sie erfahren es
erst, wenn wir es ihnen sagen. Uns regt der Satz an, es auch persönlich zu sagen: „Schön, dass es dich gibt.“
Samstag, 2. Mai 2020
Freundschaft töten?
Freunde. - Gestern kam mir ein Blatt in die Hände mit Worten,
die ich im Anschluss an eine meiner Geburtstagsfeiern notierte: Freunde feiern die Freundschaft. Freunde
sind ein grosses Geschenk. Freunde werden zu Quellen des Glücks für alle Zeiten
des Lebens. Freunde finden Zeit für gute Gedanken, für herzliche Wünsche, für
geduldiges Mitgehen, für liebevolles Verstehen, für Zeichen der Verbundenheit.
Herzlichen Dank für alle Zeichen der Freund-schaft, für alle Freundschaft. - Und
heute brachte die Post eine Todesanzeige. Mein Studienfreund ist im Alter von
87 Jahren gestorben. Vor 66 Jahren lernten wir uns kennen. Wir teilten das
Zimmer und die Studienzeit. Und wir blieben durch die Jahrzehnte auch trotz
Landesgrenzen in Freundschaft verbunden. Freunde
sind ein grosses Geschenk. Ich weiss: Freunde können sterben. Traurig, ja tragisch
ist es, wenn eine Freundschaft stirbt und die einstigen Freunde getrennt weiterleben.
Das Virus der in sich gezüchteten Selbstgenügsamkeit, der Schuldzuweisung und der Abwendung vermag
eine einst gelebte Freundschaft zu töten. Freunde leben Vergebung und
Entschuldigung, das wertvolle Gut: Leben.
Mittwoch, 29. April 2020
Freiheit hat Grenzen
Freiheit. - Seit mehr als einem Monat erleben wir als
gesundheitlich Gefährdete die weltweite Krise im Haus-Arrest. Pandemie, die Epidemie, die nicht nur Asien
und Pan-Europa erfasst; das Corona-Virus breitet sich auch in Nord- und
Südamerika aus, in Afrika und Australien. Inzwischen sind an dieser Erkrankung
weltweit mehr als 200'000 Mitmenschen gestorben. Finanziell werden Milliarden
zur Begrenzung der Schäden eingesetzt. Nun erfolgten die von vielen ersehnten
ersten Erleichterungen. Der Lock-Down der sozialen und wirtschaftlichen
Bereiche wird sachte zurückgenommen. Vielleicht dürfen wir schon bald wieder
das Haus verlassen, einkaufen, an einem Anlass oder an gottesdienstlichen Feiern
teilnehmen.
Eine neue Freiheit? Das
ist zu hoffen. Aber nicht eine unverantwortliche. „Wer die Sicherheit der
Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave“, sagte der Universalgelehrte Aristoteles,
384-322 v. Chr. Ich meine nicht eine Rückkehr in die alten Spuren der Sklaverei
der Gewohnheiten. Freiheit endet an den Grenzen der andern. Eine Chance ist es,
neue Bereiche des Gemeinsamen zu erreichen. Aber: Jetzt ist die Zeit der selbsternannten Richter. Sie
sprechen das Urteil über verantwortungsvoll Handelnde. Sie verbreiten damit das
krankmachende und tödlich wirkende Virus der Hybris, der Über-heblichkeit und
des Egoismus zum Schaden der Nächsten und zur Katastrophe für das ganze ‚Haus
der Erde’. Freiheit hat mehr mit Selbstkritik zu tun und mit der Freiheit der
Andersdenkenden als mit Selbstbehauptung. Frei für...? Für das Wohl aller. Das heisst
frei werden und frei bleiben.
Freitag, 10. April 2020
Ostern. Karfreitag - mit
dem Sterben von Jesus - und Ostern mit seiner Auferweckung und Auferstehung
gehören zusammen. Das ist auch für das Jahr 2020 mit der grossen Pandemie
wichtig. Tausende sind am Corona-Virus gestorben. Hunderttausende sind
infiziert und werden es noch. Lock down, Quarantäne, Stillstand, Hausarrest, viel Leid - und Hoffnung auf eine
Wende bestimmen die Gegenwart - und der immense Einsatz ungezählter für andere. Und
wie wird die Zukunft sein?
Ich zitiere aus www.christliche-gebete.ch
Ich zitiere aus www.christliche-gebete.ch
Das Leben überlebt den Tod
Das Leben überlebt den Tod. Die Liebe bleibt;
und Knospen treibt die Hoffnung auch im Leid.
Der Glaube siegt trotz Schmerz und Not. Ein Ton erklingt,
die Tiefe singt und alles drängt empor.
Im Leben und im Tod ist Gott dir immer nah;
und er bleibt da - die Hoffnung alle Zeit. Theophil Tobler
Donnerstag, 26. März 2020
Wissen ist alles, meinte mein Nachbar. „Wissen ist begrenzt“,
notierte Albert Einstein. Wissen ist Macht - postuliert der Herrschsüchtige.
Wissen - ist bald überholt, weiss der Forscher. Und was ist wichtiger als
Wissen? „Fantasie ist wichtiger als Wissen“ ergänzte Einstein. Unter meinen
Be-kannten gibt es einige, die sich trotzdem an der These orientieren: „Wissen
ist alles.“ Andere wissen, dass keiner von uns alles weiss. Wichtiger und
grösser als Wissen ist Liebe. Wir können die Liebe auch Glauben nennen. Und wir
entdecken, dass Glaube und Liebe sich mit der Hoffnung zu einem starken Trio
zusammenfügen. Allerdings bleibt für viele vage, was Hoffnung meint. Und der
Glaube erscheint oft wie ein Puzzle, bei dem einzelne Teilchen fehlen. Das ist
nicht tragisch, sagt der Glaubende, weil Glaube Vertrauen ist. Wir vertrauen doch
einander, ohne alles zu wissen. Folglich kommt es darauf an, das Wesentliche zu
wissen. Und dazu braucht es wie so oft im Leben - eine Entscheidung. Ich
entscheide mich für... ...! Ja, wofür denn? Ich entscheide mich für Jesus
Christus, weil ich ihm vertraue. Er hat sich ohnehin schon lange für mich
entschieden, für Sie, für dich, für uns. Dieses Wissen heisst
Glaubensgewissheit. Und Glaubensgewissheit macht dankbar.
Montag, 23. März 2020
Virus Corona heisst das neue Schlagwort, das rings um die Welt
geht. Auch Covid-19 genannt, weil es offenbar bereits 2019 ausgebrochen ist. Ungeahnte
Probleme folgen den vorausgegangenen Busch- und Regenwald-Bränden. Die Welt ist
2020 eine andere geworden. Wohl 100’000e werden vom neuen Virus befallen,
ungezählte sind schon daran gestorben. Die Zahlen steigen. Die Spitäler kommen
an ihre Grenzen. Notspitäler werden eingerichtet. Medizinstudenten und einstige
Pflegepersonen sind zum Einsatz aufgeboten. Statt umarmen: zwei Meter Abstand
halten. Über 65 Jahre alt: zu Hause bleiben. Betagte sterben, aber auch Junge
sind betroffen. Geschäfte und Schulen sind geschlossen. Sportanlässe und
Gottesdienste finden nicht mehr statt. Millionen haben Hausarrest, allein in Californien / USA
sind es 60 Millionen. Heimtückisch: Die Krankheit bricht erst Tage nach der
Infektion aus. Wer meint, gesund zu sein, ist unter Umständen bereits markiert.
Viren zählen nicht zu den Lebewesen. Sie sind äusserst klein, haben weder ein
Gehirn noch einen Verdauungsapparat. Sie sind auf Wirtszellen angewiesen um
sich zu vermehren - und sie zu verheeren. Seit der grossen Grippe von 1918 sind
rund 100 Jahre vergangen. Ebolo, Sars und weitere Namen sind in der
Zwischenzeit bekannt geworden. Impfstoffe und Medikamente sind jeweils neu zu erfinden.
Und was folgt in 20 oder 50 Jahren? Zusätzlich erschüttern Erdbeben, wie soeben
in Zagreb, die Ordnung. Ordnung? Wir lernen neue Ordnungen kennen. Wir lernen
neu leben und uns Gedanken zu machen aufs Sterben. Ich wünsche allen die
Fähigkeit, sich mit dem Kommenden zu befassen und dafür bereit zu sein.
Samstag, 15. Februar 2020
Unfehlbar... Als ich viel jünger war als jetzt, hielt ich mich
selbst für unfehlbar; aber ich danke
Gott, dass ich mich jetzt besser kenne. Das stellte John Wesley für sich fest,
der unermüdliche methodistische Pionier, 1703-91. Psychologische und moralische
Methoden der Selbstbeobachtung und der Selbsteinschätzung waren „in“ - mit
allen verknüpften Schwächen. Ein späterer Idealist sagte: „Jetzt habe ich schon
mehrere Tage tadellos gelebt.“ Sein Kollege meinte: „Sagt das deine Frau auch
von dir?“ Eine gute Frage! Ein Zeitgenosse schrieb: „Ich musste immer der Beste
sein.“ Nun, Worte zeigen etwas vom Wesen: „... der Beste“ - „... tadellos“ -
„... unfehlbar“, das zählt zu den höchsten Levels. Wer sich jedoch „besser“
kennen lernt, schätzt sich auch anders ein und verhält sich anders. Weit zurück
reicht die Einsicht der Dramatiker
Sophokles und Euripides, gut 400 Jahre vor Christus; sie lässt sich in das
Sprichwort zusammenfassen: „Errare humanum est“ - Irren ist menschlich. Cicero
fügte hinzu: „... nur der Tor wird im Irrtum verharren“. Sich „besser“ kennen
lernen ist ein lebenslanger Prozess. Wer es wagt, sein Leben ohne Scheuklappen anzusehen,
entdeckt bisher verdeckte Seiten. Nicht immer angenehm, aber hilfreich - auch
für die andern - und heilsam.
Montag, 10. Februar 2020
Grösse zeigt sich in der Versöhnlichkeit und nicht am Stand des
Kontos; auch nicht nach einer Millionen-Abgangsentschädigung.
„Je grösser ein Mensch ist, um so versöhnlicher ist er“, sagte der römische
Dichter Ovid, der zur Zeit von Jesus lebte, 43 v. Chr. - 18 n. Chr. Unversöhnlichkeit
ist ein Mangel an Charakter. Wer unversöhnlich ist, ist nicht frei, ist
verstrickt mit Vergangenem - auch wenn so getan wird, „als ob“ alles in Ordnung
sei. Verzeihen ist der erste Schritt, sich versöhnen ist der zweite; er führt
zur Heilung des Schadens. Oft geht das Eingeständnis eigenen Versagens voraus.
„Der Tor sieht das Glück nicht, das vor seinen Füssen liegt“, schrieb der
griechische Schriftsteller Plutarch, um 45 - 125 n. Chr. Klar-Sehende erkennen
das Glück und ergreifen es. Die Versöhnten freuen sich miteinander am neu
empfangenen Leben, an der vertieften Freundschaft und an der damit verbundenen
Echtheit mitmenschlicher Gemeinschaft. Wahre Grösse zeigt sich als Folge der
Versöhnung von selbst.
- Zitate aus „Anmut und Würde“, Bernhard Funk
Verlag, München
Abonnieren
Posts (Atom)