Mittwoch, 22. Januar 2020


Engel... „But you always have an angel with you“, sagte die Kollegin. „Aber du hast immer einen Engel mit dir.“ Nach ihrer Einschätzung war es unver-antwortlich, beim Autostopp gegen Mitternacht zu einem fremden, jungen schwarzen Paar aus San Salvador einzusteigen. Beraubung und Mord geschehen doch jeden Tag. Ich soll das doch nie mehr machen. „But..., aber du hast immer einen Engel...!“ Wird er immer gesehen? Oder wie kommt er? Eine Bekannte sagte mir letzten Sommer: „Ich habe ihn gesehen.“ Und meine Zeilen umschreiben:
Engel kommen und gehen gerne ungesehen. Boten aus Gottes Welten. Ob wir sie verstehen?
Boten aus Gottes Welten, die den Weg erhellten. Engel, göttliche Zeichen, bei uns, wo wir zelten.
Engel, göttliche Zeichen, die uns hier erreichen. Boten aus Gottes Welten. Angst und Zweifel weichen.

In der Schalterhalle in Bülach bot mir jemand Hilfe an. Und meine Antwort? „Du bist mir jetzt begegnet wie ein Engel.“ Und als mir in einer schwierigen Situation eine englisch sprechende Person half, reagierte ich mit den Worten: „You are an angel.“ Engel: Wörtlich bedeutet der hebräische Begriff ‚mal(e)ach’ ‚Bote’ und der Name des Propheten Maleachi ‚Mein Bote’, d.h. Gottes Botschafter mit einer Botschaft. Unser Wort ‚Engel’ geht auf die griechische Bezeichnung ‚angelos’ zurück und bedeutet ebenfalls: Bote, Botschafter, Gesandter - oft gesandt, um eine Hilfe zu bringen. Das fasste ich in die Zeilen:
Es können Frauen und Männer sein; sie kommen leise - allein und zu zwei’n.
Oft sind es Vertraute, oft fremd, ein Schein.                 
Sie meiden Drohung und täuschend Gewand. Und da ist einer, der gibt dir die Hand, und eine wohnt neben dir Wand an Wand. 
Dem Hungernden hat er Brot gebracht, dem Kranken hat sie sein Bett wohl gemacht. Sie hören dein Rufen bei Tag und Nacht.     
Er steht im Wege und er sagt: ‘Nein’, wie eine Mauer und hart wie ein Stein.
Es können dir Frauen und Männer sein, - Engel, Boten, Gesandte heute.
Ungezählt oft habe ich eine gute Nachricht bekommen und unerwartet Hilfe erfahren. Das ermutigt, Hilfe zu erwarten, denn: „Gott hat unbegrenzte Möglichkeiten.“

Mittwoch, 15. Januar 2020


Todesangst - wer? warum? „Todesfurcht hat mich ergriffen“, sagte er nachdem sein Freund erkrankte und kurz darauf starb. Mein Vater starb früh bei einem Verkehrsunfall. Meine Mutter an Krebs. Mein einziger Bruder drei Tage nach seiner Geburt. Meine einzige Schwester schon vor 18 Jahren. In der Verwandtschaftslinie bin ich der nächste, der sterben wird. Gilgamesch, der von Todesfurcht Erschütterte, fragte: „Werde nicht auch ich, wie er - mein Freund - mich niederlegen müssen und nicht wieder auf-stehen in alle Ewigkeit?“ Todesangst  wegen dem Schlusspunkt Tod. Wegen unerledigter Fakten. Ungewissheit, unbeantwortete Fragen bringen Ängste. Wie wird das Sterben sein? Und was folgt nachher? Was hat leben und sterben für einen Sinn? Der Nihilist sagt: Mit dem Tod ist alles aus. Der Skeptiker reibt sich an verschiedenen Antworten wund. Wieder andere sehen über dem Jetzt und dem Nachher einen grossen Bogen. Gilgamesch wollte das Leben finden, das nicht im Tod endet. Bei wem ist es zu finden? Die Antwort, die ich kenne, liegt in dem Satz „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht - nicht mehr - sterben.“ Was Jesus nach dem Tod eines Freundes sagte, weist über Tod und Grab hinaus in dieses neue Leben.Alles Wollen, alles Streben wird kein neues Dasein bringen. Du, der auferstanden bist, schenkst es, Jesus Christ.“

Sonntag, 12. Januar 2020


Suizidgedanken?  je nach Alter verschieden. Warum macht sich ein Kind Gedanken, seinem Leben ein Ende zu setzen? Warum ein Teenager? Ein Soldat nach der Rekrutenschule? Eine 30-jährige Lehrerin? Ein bekannter Geschäftsmann? Die Nahestehen sind erschüttert. Beim Abschied werden die Kirchen und Abdankungshallen überfüllt. Die Hinterbliebenen bleiben mit unbeantworteten Fragen zurück. Auch mit Schuldgefühlen, Selbst-anklagen und Tränen. Warum haben wir nichts gemerkt? Oder haben wir etwas geahnt, wollten aber nicht zu nahe treten? Nicht verletzen? Werden wir die Überlegungen, die zum Tod führten je erfahren? Sensible oder verschlossene Mitmenschen haben ihre wohl behüteten Geheimnisse. Andere überspielen die Realität. Es wurde geraten, Tel. 143 anzurufen oder jemanden aus dem Bekanntenkreis. Und? Viele tun es. Einige hinterlassen einen Abschiedsbrief, schreiben von Enttäuschungen, von fehlender Kraft, von empfundener Ausweglosigkeit, nur noch müde, von allem nichts mehr wissen wollen. Oder - endlich am Ziel ankommen, wo die Fragen Antwort finden. Viele sind froh überlebt zu haben. Gedanken sind noch nicht Taten. Da sein mit Gefährdeten, Anerkennung, Empathie, "wie geht es dir?" nachfragen nach dem Ergehen, das alles können Brücken sein, um das Leben lebenswert zu finden.

Mittwoch, 8. Januar 2020


„Himmel...!“Ich will den Himmel auf Erden. Heute schon.“ Sie will dass alles besser wird: „bewahren, pflegen, geniessen... zur Freude aller...“ Einen irdischen Himmel will sie. Und das schon heute. Und wer wird ihr diesen Wunsch heute erfüllen? Träumen kann schön sein. Wünsche äussern auch. Die Erfüllung in Sachen „Himmel“ übersteigt noch rasch einmal die besten menschlichen Möglichkeiten. Raketen sind wieder an der Tagesordnung. Meinungsverschiedenheiten führen rasch zu Streit, zu Krieg und zum Tod des andern - oder zum eigenen. „Let’s destroy the lives of people who disagree with us! - Wir wollen das Leben der Leute zerstören, die nicht mit uns übereinstimmen“, sagt WAITBUTWHY. Das geschieht auch mit Worten nicht nur mit Raketen. So lange wir auf dieser Erde leben, leben wir in dieser gefährdeten und gefährdenden Welt. Himmel? Ich erwachte heute mit den Worten: „Du bist da. Du bleibst da an jedem Tag. Du bist da bei Tag und Nacht. Mit dir ist ein Stück Himmel auf Erden." Aber noch nicht ungeteilt. Das Ganze steht noch aus. Die unerfüllte Sehnsucht wird eines Tages erfüllt sein. Wo Barmherzigkeit ist, erleben wir bereits ein Stück Himmel.

Montag, 6. Januar 2020


Glauben? „Glaubst du das?“ fragte er. „Was meinst du?“ war die Gegenfrage: „etwas glauben oder jemandem glauben?“ Das ist nicht das Gleiche. Heute sagte ich beim Morgenrot dass es wohl regnen werde. Und es regnete den ganzen Tag nicht. Etwas glauben bezieht sich auf eine Sache oder auf eine Aussage. Jemandem glauben bezieht sich auf eine Person, auf ein Gegen-über. Etwas glauben kann dazu führen, dass das Geglaubte schon bald überholt ist und  neue Fakten folgen, z.B. in der Forschung. Jemandem glauben heisst, diesem Gegenüber vertrauen. Ich vertraue dir. Ich vertraue mich dir an. Das Ja beim Eheversprechen ist mit diesem Vertrauen verbunden. Nicht umsonst wird dieses Ereignis „Trauung“ genannt. Glaube hat eine Beziehung zur Treue - griechisch bedeutet ‚pistis’ sowohl Glaube wie auch Treue. Ähnlich ist es beim Glauben an Gott: „Ich glaube“, d.h. „ich vertraue mich dir an.“ Die Nachfolge von Jesus ist von diesem Vertrauen geprägt und von der Treue. Aber wie ist es mit dem Unglauben? Es ist ähnlich wie mit Licht und Schatten - sie sind oft nahe beisammen. Der Freidenker glaubt an etwas. Die Christen vertrauen jemandem - Jesus Christus - und sagen: Ich glaube.

Sonntag, 5. Januar 2020


Schnee und Eis - typische Winterfreuden. „Wir verbringen erholsame Tage in herrlicher Bergwelt“, lese ich auf der Karte mit dem Ortstock (2716 m).  Ja, dort oben erlebte ich auch eine prächtige Rundsicht! Aber beim Aufstieg auf das Sustenhorn (3512 m) brach die Schneebrücke unter mir und ich hing in der Gletscherspalte - am Seil. Wie gut ist es doch, standhafte Freunde zu haben. Nicht nur im Winter auch im Sommer lockt der „ewige“ Schnee - der in unserer Zeit am Schmelzen ist. Risiken warten überall. Beim Schlittschuhfahren „landete“ ich im Wasser des Eisweihers. Das war noch harmlos. Unterschätzt werden die Gefahren beim Skifahren. Mir hätte es fast ein Auge gekostet, als ich mit dem Skistock das Brillenglas zertrüm-merte. Die Narben reden heute noch davon. „Glück gehabt“, meinte der Arzt, der rings ums Auge nähte, was möglich war. Ein vierjähriges Mädchen ist von einem 21-jährigen Pistenraser getötet worden. Lawinen sind die grosse Überraschung beim Skifahren. Verschüttete - sogar auf der geöffneten Piste. Eine „harmlose“ Schlittenfahrt führte zu Rückenverletzungen. Sollen Schnee und Eis zum Guten mitwirken ist Verantwortung unerlässlich - schon bei der Schneeballschlacht. Gefahrlos ist das Lächeln des Schneemannes. Winterbilder sind überwältigend. Schneeflocken unter dem Mikroskop - Wunderwerke. Sehen und staunen zählt zum Positiven und zum „slow down“ - zum Tempo drosseln. Zeit finden zur Entspannung. Die nächsten Anspannungen folgen - wohl schon morgen.

Samstag, 4. Januar 2020


Grenzen  trennen und verbinden. Paradox? Unsinn oder tägliche Erfahrung? Heute? Grenzüberschreitungen sind vielfach negativ: fehlender Anstand, ungerechte Anschuldigungen und Behandlung, Mobbing, Fake - aus dem Englischen für Fälschung, Gefälschtes wird als Wahrheit angeboten. Viele Irreführungen und Anklagen erfolgen, ohne dass die Grenze zwischen Recht und Unrecht wahrgenommen wird. Medien wie TV und Presse und die sog. sozialen Informationskanäle liefern klassische Beispiele. „Das Kind ist die Treppe hinabgefallen.“ Nein: Es war häusliche Gewalt. „Ein tragischer Unfall.“ Nein: Es war Mord. - Zum Glück erleben wir auch positive Grenz-überschreitungen. In Berlin ist die Mauer gefallen, wenn auch nicht die letzte Grenz-Mauer auf der uns anvertrauten Erde. Grenzkontrollen sind nach wie vor unentbehrlich. Grenzwerte sollen mithelfen, grösseres Unheil zu vermindern. Pfeiler- und Hängebrücken überwinden trennende Hindernisse. Es ist trotz Grenzen möglich, sich die Hand zu reichen.
Und wo sind die Grenzen im Weltall? Hinter dem äussersten Exo-Planeten? oder hinter den schwarzen Löchern? Grenzenlos möchte die Güte sein. Heute: ein Test mit Güte an der Grenze zum Nächsten...

Mittwoch, 1. Januar 2020


Alles neu - schwärmte der Teenager am Neujahrstag! Fast alles neu sagte die Braut im Blick auf die eben eingerichtete Wohnung. Neues bringt Überraschungen. Da flüsterte das Pflegekind zur Pflegemutter: ‚Meine Mama ist jetzt ein Mann, so bist du jetzt meine Mama.’ Wirklich eine neue Situation. Und das algerische zehnjährige Mädchen registrierte nach einigen Wochen in der Schweiz im Blick auf die geplante Heimreise in die bitter armen Verhältnisse: ‚Demain je vais à la maison, c’est domage; chez nous c’est pas beau, j’aime rester ici. Morgen werde ich nach Hause zurückkehren, das ist schade; bei uns ist es nicht schön, ich möchte hier bleiben.’ Solche Voten lassen nicht unberührt. Ist jede Veränderung gut?  
Ist Neues immer besser? Die Erinnerungen an vergangene Zeiten können beglückend oder belastend sein. So ist es auch beim Ausblick in die bevorstehende Zeit, in das Ungewisse von morgen, in die Wende von heute. Und bei allen Veränderungen ändere ich mich und meine Einstellung mit.  Neues? Es kommt. Ich wünsche dir, kleiner Bub, und dir, Mädchen aus Algerien - und auch allen, die schon etwas älter sind - für das oft unerwartete oder unerwünschte Neue neues Vertrauen, Mut und Spannkraft. Liebe ist ein Schlüssel, der Türen zum Guten öffnet.

Dienstag, 31. Dezember 2019


Gewohnheiten - oder gute Vorsätze? Er sagte: „Ich bin nun einmal so.“ Und sie meinte: „Ich kann nicht anders.“ Wie gewohnt - so getan. Gewohnheit als Programm. Ist das alles? Oder gibt es heute etwas Neues? „Der Jahres-wechsel ist die Hochsaison der guten Vorsätze“, las ich.  „Vorsätze?“ Was soll das? Wir kennen das Vor-Wort, den Vor-Arbeiter, die Vor-Züge, aber Vor-Sätze? Das heisst doch: Bevor ein Satz gesprochen und eine Tat getan wird, besteht die Möglichkeit, das Vor-Haben noch zu ändern. Das negative Wort unterlassen. Nicht mehr ungesund und zu viel essen. Weniger Umwelt-belastung und Internet. Keine weitere Zigarette; mit 16 Jahren hatte ich noch drei, aber die rauchte ich nicht mehr. Das ist eine Befreiung. Das möchte bei einer aktuellen Umfrage jeder Vierte. Angelika sagte: „Ich werde nie mehr anfangen zu rauchen.“ Bei XY ist die nächste Flasche und das nächste Glas das Problem. Der Knirps in der TV-Werbung fragt: „Was machsch du für d’Umwält?" Und heute - die ganz persönliche Frage: Was macht du Neues für dich? Bisherige Gewohnheiten können durch Neues abgelöst werden. Ein Vor-Bild ist hilfreich. Klar: Neues muss gelernt werden und oft brauchen wir Unterstützung. Ist es erprobt und erfahren, wirkt es beglückend. Eingeübt verändert sich das Leben zum Guten. Ich wünsche dir neue, gute Gewohnheiten mit beglückenden Erfahrungen.

Sonntag, 29. Dezember 2019


Astrologie zum neuen Jahr? Meine Nachbarin studierte Astrologie. „Astrologie“ ist aus den griechischen Wörtern ‚astron’ und ‚logos’ zusammengesetzt, aus ‚Stern’ und ‚Lehre’. Astrologie hat mit zwölf von 88 Sternbildern zu tun. Weil - nach damaliger Deutung - vor rund 2000 Jahren die Sonne durch diese zwölf  Sternbilder wanderte, haben sie die Namen für die sog. „Sternzeichen“ gegeben. Damals war der Frühlingspunkt im Sternbild ‚Fische’, gut 2000 Jahre vorher im Widder und noch einmal 2000 Jahre früher im Stier - und jetzt ist er bald einmal im ‚Wassermann’. Die Astrologie jedoch bleibt bei überholten Positionen stehen. Sie lehrt mit sog. Horoskopen - das Wort ist zusammengesetzt aus ‚Stunde’ und ‚schauen’ - aufgrund des Standes der Planeten Deutungen geben zu können. Ein römischer Dichter meinte bereits um 200 v. Chr.: „Eine astrologische Voraussage kostet eine Drachme und ist um eine Drachme zu teuer.“ Astrologie basiert auf völliger Unwissenheit zeitgemässer astronomischer Kenntnisse. Sie schliesst von unrealistischen Ansichten auf einen realen Einfluss auf das Ergehen und betrügt sich und andere. Da waren die ‚magoi’ aus Matthäus 2, die Weisen aus dem Osten, besser beraten, als sie dem Stern folgten und Jesus Christus in Bethlehem fanden. Er sagt seinen Nachfolgern: „Ich bin bei euch alle Tage.“

Samstag, 28. Dezember 2019




Frustriert? Von Weihnachten? ... oder von ...? „Zufrieden sein ist unzeit-gemäss“, las ich in der Zeitung. Der Zufriedene werde als weltfremder Träumer angesehen. Frustration ist vielerorts an der Tagesordnung. An Varianten fehlt es nicht. Das Modewort kann bedeuten: Enttäuschung, Nichterfüllung des Erwarteten, das versagt bleiben von Bedürfnissen „z.B. bei ausbleibender Triebbefriedigung, bei verletztem oder unbefriedigtem Ehr- und Rechtsgefühl“. Die Frustrations-Epidemie ist weit verbreitet. Streit mit dem geschiedenen Ehepartner. Dreinschlagende Kinder. Gewalt in der Öffentlichkeit und hinter verschlossenen Türen.  Spannungen bei der Arbeit. Täuschung beim Gespräch. Putins gekränkter Stolz. Lawinenopfer statt Pistenrausch. Heilung der Frustration ist schwierig, wenn sie als Normal-zustand akzeptiert wird. Der Weg zum Gespräch, echte Entschuldigung, Vergebung und Änderung der problematischen Gegebenheiten helfen Frustration, Stress und Resignation abbauen. Frieden mit den Nächsten und mit Gott wird möglich und - Zufriedenheit ist beglückend.

Mittwoch, 25. Dezember 2019


Vergessen. „Vergiss das!“ sagten sie. „Das werde ich nie vergessen“, meinte die Braut. „Die einzige Arznei gegen Unrecht ist vergessen“, lehrte der Erfahrene. „Ich kann das nie vergessen, ich kann das auch nie vergeben“, sagte sie. „Sie haben mich vergessen“, klagte die betagte Frau in der Residenz. „Vergiss den grossen Schmerz!“ riet Friedrich Schiller. „Vergiss die Toten nicht“, tönt es von einer andern Seite. „Ich bin so vergesslich“, meinte der Senior. „Vergessen können ist eine Gnade“, erklärte die Beraterin. Vergessen wollen und vergessen können ist eine Form der Entlastung der Gedanken und der Reinigung des Gedächtnisses. Vergessen ist Vorbereitung für Neues. „Wenn ihr betet, so vergebt, wenn ihr etwas wider jemand habt“, nach Ralf Luther. Und wie ist es mit Gott? „Sie haben mich vergessen“, registriert Jeremia in Gottes Auftrag. Aber Gott vergisst weder die Kinder noch die Alten noch die dazwischen. „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“, singt Psalm 103. Im Blick auf das andere schrieb der Gesandte Paulus von Tharsus nach Ephesus: „Ich vergesse, was hinter mir ist, strecke mich aber nach dem aus, was vor mir ist - Christus Jesus.“ Vergiss das Negative - um Neues aufzunehmen und zielstrebig zu leben. Als ich heute Morgen aus einem Traum erwachte, hörte ich singen: Vergiss nicht zu danken...

Dienstag, 17. Dezember 2019


Das Böse oder der Böse? oder beides? Nachrichten, Tagesschau und eigene Erfahrungen sagen vom Bösen in unserer Welt. Verschiedene Bereiche des Bösen sind schon in den uralten „zehn Geboten“ erwähnt, die Moses brachte. Gebote für das Gute. Verbote gegen das Böse. „Erlöse uns von dem Bösen“, lehrte Jesus beten (Mt. 6,13). Aber was ist damit gemeint? Der Böse? Der Satan? Der Teufel? Oder ist die Zeit solcher Personifizierungen vorbei? Dass „das Böse“ noch weit verbreitet ist, wird kaum jemand bestreiten. Und doch kann „der Böse“ oder „die Böse“ im Osten und im Westen, im Norden und im Süden und ganz in der Nähe gefährlich auftreten. Zu seinem Begleiter Simon Petrus sagte Jesus in einer bedrohlichen Situation: „Hinweg von mir, Satan... du sinnst nicht was göttlich, sondern was menschlich ist“ (Mt. 16,23). Diese Personifi-zierung kann auch in Mt. 6,13 gemeint sein. „Der Böse“ kann der böse Mitmensch sein, der böse Diktator, die böse ... und ich. Sehr konkret. Und „wer meint er stehe, sehe zu, dass er nicht falle“ (1. Kor. 10,12). Der Erlöser darf angesprochen werden. Es ist Gnade, vor bösen Mitmenschen bewahrt oder aus ihrem Einfluss erlöst zu werden. Erlöste sind ein Segen für die Welt.

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Heiliger Geist. Auch in der Vorweihnachtsgeschichte wirkt der heilige Geist. In der Ursprache des Neuen Testamentes heisst es in Matthäus 2,20 in Griechisch: ek pneumatos estin hagiu. Lateinisch lesen wir: de Spiritu sancto est und ins Hebräische zurückübersetzt me-ruach ha-kodäsch (Hebr. NT). Die „Philosophie des Geistes“ befasst sich mit „mind“ u.a. im Sinne von
Verstand, Sinn, Meinung und Absicht. G.W.F. Hegel spürte dem „Selbst-bewusstsein Gottes im Menschen“ nach (Felicia Englmann, Philosophie). „Gott ist Geist - pneuma ho theos“ sagt Johannes 4,24. Der heilige Geist ist Gottes Geist, Gottes Gegenwart, Gottes wirkende Kraft - auch durch sein Wort. Die alte Verheissung, die Gott gab, sagt: „Meinen Geist werde ich in euer Inneres legen“ (Ezechiel 36,27, Zürcher Bibel). Diese Veränderung erlebten die Nachfolger von Jesus. Johannes beschreibt diese Verwandlung als eine neue Geburt (Joh. 3), als ein Neustart - durch Gottes Eintritt in unser Wesen und Leben. Heil werden bedeutet geheiligt werden als Person, in der Meinung, in der Absicht, im ganzen Wesen, Tun und Leben. Wie der heilige Geist sich auswirkt beschreiben u.a. Galater 5 und 1.  Korinther 12-14. Kurz zusammengefasst heisst das: „Glaube, der sich durch Liebe wirksam erweist“ (Gal. 5,6). Und Weihnacht? „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab...“ (Johannes 3,16). Weihnacht - das Fest der Liebe!

Mittwoch, 11. Dezember 2019


Geist? Ghost? Ghosting?  Zwischen diesen verschiedenen Bezeichnungen lässt sich ein Zusammenhang vermuten. Doch welcher? Ghost kann mit Geist übersetzt werden, aber auch mit Gespenst oder Schatten. Und da sind wir nahe beim Spuk, bei unheimlichen Begebenheiten. Da heisst es, ein Geist erscheine und verschwinde wieder spurlos. Und „Ghosting“? Ein Wort, das aus dem Englischen in unsere Umgangssprache gekommen ist. Es beschreibt einen Kontaktabbruch, wo jemand unvermittelt weg ist - wie beim Spuk ein „Geist“ verschwindet. Gespenstische Stille. Plötzlich keine Antwort mehr, kein Zeichen, keine Begegnung. Die Autorin Tina Soliman ging diesem Phänomen nach und entdeckte als eine gravierende Ursache die Angst. Angst vor einer Konfrontation. Angst, vor dem Aufdecken des persönlichen  Versagens. Angst, einer Klärung und Begegnung nicht ge-wachsen zu sein. Die Flucht ins Schweigen und ins Verschwinden ist auch bei Datingportalen naheliegend; „klick“  und die oder der andere ist weg. Nicht alle halten einer ehrlichen Auseinandersetzung stand. Sie verschwin-den wie ein Gespenst und hinterlassen bei andern - oft in sadistischer Weise - Beleidigung, Verletzung, Unverständnis, Verlust, Trauer oder sogar Rachegefühle. Besser als Ghosting ist Empathie, ein Einfühlungsvermögen, das Kommunikation möglich macht. NB. „Geist“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „heiliger Geist“; der heilige Geist ermöglicht gute Kontakte und Beziehungen.